Hart umkämpfter Einzug ins Cup-Viertelfinale: 4:1 bei Twentyone

Hatten wir in den vergangenen Wochen die Leichtigkeit des Seins im Fußballleben erlebt, entdeckten wir gestern die andere Seite der Medaille: Fußball ist Kampf und Krampf. Sonst nichts.

Vielleicht war es auch ein Stück Müdigkeit. Schließlich mussten wir nur 48 Stunden nach der intensiven Schlacht von Leopoldau gleich wieder ran und waren im Cup bei Twentyone geladen. Der Tag war von Beginn an zum Wegwerfen. Stau, Verspätungen, erst 30 Minuten vor Anpfiff waren die Trikots da, vier Minuten Aufwärmzeit. Eine Katastrophe. Unser Gekicke danach war nur eine logische Konsequenz und zeigte einmal mehr, dass das Spiel mit der Vorbereitung auf die 90 Minuten weit vor Ankick beginnt.

Zum Spiel: Von Beginn weg versuchten wir das Spielgeschehen zu kontrollieren, es funktionierte auch halbwegs, allerdings waren wir meilenweit von der Ballsicherheit und Ruhe im Spielaufbau der vergangenen Partien entfernt. Die Gastgeber konzentrierten sich auf eine tiefstehende Verteidigungswand und ein paar Nadelstiche in der Offensive über die Solospitze Koppitsch.

Tiefstehende Gastgeber gehen in Führung
Dieser Plan wurde konsequent und gut umgesetzt, sodass uns mit Fortdauer der Begegnung immer mehr der Zahn gezogen wurde. Irgendwann ging dann nur noch ganz wenig bei uns. Flügelspiel? Nein, eher nicht. Gefälliges Kombinationsspiel durch das Zentrum? Braucht doch kein Mensch. Die logische Konsequenz war dann der, schon auch irgendwie aus dem Nichts kommende, Führungstreffer für Twentyone. Nach einer Ecke klärten wir nicht entschlossen und der Ball senkte sich ins Eck. Rückstand. Nun brach bei uns Panik aus. Der Traum vom Happelstadion schien nun wie eine Seifenblase zu zerplatzen. Wer wohl aus der Mannschaft mit Seifenblasen hantiert? Am ehesten wohl Rome. Kann man sich gut vorstellen: Kebapstand Josefstädter Straße, vier Uhr nachts. Rome bestellt sich einen Döner und vertreibt sich die Wartezeit mit Seifenblasen. Als er dann die wunderbaren Blasen in den Wiener Nachthimmel verschwinden sieht, zahlt er die drei Euro fünfzig, blickt nochmals in den Himmel und denkt sich: „Ja, war ein richtig schöner Abend.“

Bis zum Halbzeitpfiff hatten wir dann noch zwei dicke Chancen: Jerry scheiterte mit sattem Schuss am Keeper. Max hatte Pech beim Tanz mit der Stange. Naja. Es gibt auch solche Spiele, wo einfach nichts geht. Herauszuheben allerdings die Einstellung in der Kabine: Man spürte das Feuer in der Mannschaft und niemand wollte sich hier in der 4. Runde des Cups verabschieden.

Captain Joey: Spielerpass-Fauxpas und Ausgleich
Voller Power gingen wir auf das Feld um gleich wieder eingebremst zu werden: Die für einen anstehenden Wechsel benötigten Spielerpässe lagen noch in der Kabine. Joe wartete geduldig wie Kevin Großkreutz auf seine Einwechslung – nicht die einzige Ähnlichkeit dieser zwei großen Fußballer. Wir mussten indes den zweiten Durchgang zu zehnt beginnen und fingen uns in dieser Unterzahl-Phase beinahe das 0:2 ein. Billy wurde glücklicherweise zum Panther von der Erdbrustgasse und parierte mit dem Save seines Lebens. DANKE. DANKE, DANKE!

Der nun endlich eingewechselte Joe brachte sichtlich Elan in die Partie und entfachte wieder das Feuer. Nun klappte auch wieder der Spielaufbau – zwar nur in Maßen, aber immerhin. Relativ verdient durften wir in der 56. Spielminute den Ausgleich bejubeln: Eine herrliche Flanke von Oli köpfelte der Kapitän himself in die Maschen. 1:1, der Ausgleich – endlich! Und der Kapitän bewies, wie wichtig er für das Team ist. Eingeleitet wurde die Egalisierung des Spielstands von Mario mit einem herrlichen Pass in die Gasse.

Spiel auf ein Tor
Das Spiel entwickelte sich nun zu Einbahnstraßenfußball. Wenngleich die großen Chancen weiterhin vermisst wurden. Aber das Heft hatten wir jetzt klar in der Hand. Der große Unterschied zur ersten Halbzeit: Wir bewahrten Ruhe, spielten kontrollierte Pässe und agierten nicht so zappelig wie 5-Jährige, die mit ihren Eltern zu McDonalds gehen und die Überraschungen der Juniortüte* entdecken.

Spät aber doch ernteten wir die Früchte für den betriebenen Aufwand: Wieder Mario mit einer Torbeteiligung. Dieser findet mit einem langen Freistoß seinen Trainerkollegen Danny, der uns alle erlöst und das vielleicht wichtigste Tor seiner Karriere erzielt. 2:1 in Minute 81, man möchte den kleinen Deutschen ewig umarmen für diese Erlösung. Vielleicht bauen wir ihm ein Denkmal.

Und dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag
Dann zerfielen die Gastgeber, der stabile Defensivverbund war gebrochen. Es folgten die Tore zum 3:1 durch den unwiderstehlichen Mario und das 4:1 durch Dodo – erneut war dem Tor ein bulgarischer Assist vorausgegangen. Das war es dann. Wir halten fest: Immerhin stehen wir im Cup-Viertelfinale und uns fehlen noch zwei Siege zum Happel. Wie schwer das wird, haben wir gegen Twentyone zu spüren bekommen.

Fazit: Kämpfen, kratzen, beißen. Das sind Grundregeln um ein Fußballspiel zu gewinnen. Ob es spielerisch dann auch läuft, hängt von anderen Faktoren ab – aber wer nicht kämpft, kratzt und beißt, hat schon verloren.

 

*Für alle Kids: Die Juniortüte war der Vorgänger des Happy Meals.

 

DSG-Cup | 4. Runde | 22.3.2017
Twentyone : SC Cover-Direct  1:4 (1:0)
Trainingszentrum Wiener Sportklub

SCCD spielte mit: Bielowski; Groiss (77., Salas Campos), Baumann, Krüger, Drechsler (HZ, Pawlowski); Rome, Havlik, Ivanov; Kain, Brouczek (88., Ludescher), Meuthen (88., Seidl).

Torfolge:
1:0: Hassan Hassan (32.)
1:1: Johannes Pawlowski (56.)
1:2: Daniel Meuthen (81.)
1:3: Mario Ivanov (84.)
1:4: Dominik Brouczek (86.)

WFV-Spielbericht

 

Kommentar schreiben